Die Aussage ist oft zu hören: “WIR haben doch keine Probleme mit LGBTIQ+! WIR sind offen tolerant”. Der Realitätscheck zeigt allerdings ein anderes Bild: Über 30% der LGBTIQ+ Menschen erleben in Deutschland am Arbeitsplatz Diskriminierung. Es daher wichtig, im beruflichen Umfeld ein Bewusstsein zu schaffen und Mitarbeitende zum Thema LGBTIQ+ zu sensibilisieren. Ohne Schulungen und Fortbildungen sind Veränderungen zum Scheitern verurteilt und alle Diversity-Bemühungen vergebene Liebesmüh.

 

Schulungen: Überbewertet oder Kernbestandteil erfolgreicher Veränderung?

 

Schulungen und Fortbildungen vermitteln Kenntnisse und Kompetenzen, die im Arbeitsalltag wichtig sind. Fähigkeiten für den Umgang mit einer neuen Software beispielsweise – ganz praktisch und relevant für den Arbeitsalltag.

Daneben werden aber auch Kenntnisse vermittelt, die auf das Verhalten der Mitarbeitenden abzielen. Etwa im Bereich Compliance, Vorgaben zur externen Kommunikation und andere Richtlinien. Diese Inhalte haben auch einen Einfluss auf die Unternehmenskultur.

Für Transformationsprozesse sind Schulungen ausschlaggebend und ein wesentliches Werkzeug, um Mitarbeitende einzubinden und mitzunehmen. Das gilt auch, was Veränderungen der Unternehmenskultur und  (LGBTIQ+) Diversity betrifft.

 

LGBTIQ+ Kompetenzen für alle? Für welche Mitarbeitenden Schulungen Sinn machen

 

Schulungen und Fortbildungen zu LGBTIQ+ Diversity können verschiedene Formen und Inhalte haben. Wie immer bei der Vermittlung von Wissen richtet sich der Inhalt stark danach, welche Kompetenzen die Teilnehmenden in ihrer Funktion ganz praktisch benötigen.

Führungskräften kommt in jedem Unternehmen eine zentrale Rolle zu. Sie tragen Verantwortung für die Mitarbeitenden in ihrem Zuständigkeitsbereich und haben eine Vorbildfunktion. Für die Unternehmenskultur und das Leben von Werten sind sie zentral. Daher sind sie eine wichtige Zielgruppe für Schulungen zum Thema LGBTIQ+. Besonders kann es dabei um das Vermitteln von einem grundlegenden Verständnis gehen sowie um praxisnahe Werkzeuge und Sensibilisierung.

Auch Mitarbeitende im HR-Bereich sind wichtige Akteur:innen, wenn es um LGBTIQ+ Diversity und gelebte Chancengerechtigkeit geht. In Recruiting-Prozessen beispielsweise spielt die Inklusion von LGBTIQ+ eine wesentliche Rolle. Nur wenn etwa Stellenausschreibungen und Einstellungsprozesse inklusiv gestaltet sind, werden auch alle (potentiellen) Bewerbenden angesprochen und erreicht. Sind HR-Mitarbeitende nicht sensibilisiert, so werden einzelne Personengruppen möglicherweise ausgeschlossen.

Mitarbeitende aus dem Diversity Management sind ebenfalls eine wichtige Zielgruppe für Fort- und Weiterbildungen im Kontext von LGBTIQ+ Diversity. Dadurch werden sie fortlaufend zu neuen Themen und  Entwicklungen geschult und können diese so im eigenen Unternehmenskontext implementieren und umsetzen. Nicht zuletzt ermöglichen Schulungsangebote ihnen auch den Austausch zu Best Practices und Learnings, die in anderen Unternehmen gemacht wurden.

 

Auf Augenhöhe: Warum gegenseitiges Verständnis durch Sensibilisierung wichtig ist

 

Für eine Kultur und Atmosphäre der Wertschätzung am Arbeitsplatz ist eines Grundvoraussetzung: ein Verständnis für das Gegenüber. Und deswegen sind Awareness-Schulungen für alle Mitarbeitenden wichtig, in denen sie zu LGBTIQ+ sensibilisiert werden. Wofür steht das Akronym LGBTIQ+ überhaupt, was sind eigene Vorurteile und wo können (ungewollt) diskriminierende Situationen aktiv vermieden werden? Schulungen leisten dazu einen wichtigen Beitrag und sollten daher so vielen Mitarbeitenden wie möglich zukommen und zugänglich gemacht werden.

 

Unnötiges Aufsehen oder wichtiger Fokus?

 

Warum braucht es Schulungen und Fortbildungen explizit zum Thema LGBTIQ+? Tut es denn nicht eine allgemeine Diversity-Schulung, die alle Dimensionen und Grundkonzepte abdeckt? Für mich ist die Antwort eindeutig: Nein, damit ist es nicht getan.

Allgemeine Schulungen zu Diversity gehen oft nach dem Gießkannen-Prinzip vor und schneiden viele Aspekte nur an. Es ist eben nicht mit der Unterscheidung zwischen Homo- und Heterosexualität getan. Das Risiko, dass am Ende nur über sexuelle Orientierung gesprochen wurde, ist groß. Und das wird vielen LGBTIQ+ Menschen und Mitarbeitenden schlicht nicht gerecht.

Wenn es einem Unternehmen ernst ist mit der Wertschätzung von LGBTIQ+, dann muss LGBTIQ+ Diversity als Thema einen festen Platz in Weiterbildungs- und Schulungsplänen haben. Dann wird es nicht nebenbei thematisiert, sondern die Sensibilisierung möglichst vieler Mitarbeitenden in den Fokus genommen. Nur so lassen sich echte und anhaltende Veränderungen in der Unternehmenskultur erreichen.

 

Dieser Artikel wurde im Rahmen der Changemaker Kampagne verfasst – einer 6-monatigen Partnerschaft, die den Fokus auf Personen richtet, die LinkedIn nutzen, um echte Veränderungen in der Arbeitswelt voranzutreiben. Weitere Informationen über die Partnerschaft gibt es hier: https://blog.linkedin.com/changemakers-germany

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