Netzwerke sind Teil vieler Bereiche des Lebens: Neben der Familie und Sportvereinen gibt es sie auch am Arbeitsplatz. Für LGBTIQ+ Mitarbeitende sind Netzwerke oder Employee Resource Groups (ERGs) eine wichtige Anlaufstelle. Welche Funktion und Rolle aber übernehmen sie ganz konkret? Und was sagen sie uns über das Diversity Engagement von Unternehmen?

 

In meinem letzten Artikel habe ich den vergangenen PRIDE Monat Revue passieren lassen und die Frage gestellt, wie viel Regenbogen wirklich in Deutschlands Unternehmen steckt. Wird das, was nach außen vermittelt wird, auch nach innen gelebt? Wo liegen Potenziale im LGBTIQ+ Diversity Management? – Eine Stellschraube ist hier etwa die Organisationsstruktur von Unternehmen. Ein Netzwerk für LGBTIQ+ Mitarbeitende kann einen wesentlichen Beitrag zu gelebter Wertschätzung und echter Chancengerechtigkeit für LGBTIQ+ leisten.

 

Mitarbeitendennetzwerke? – Eine Einordnung

 

Was bringt ein Mitarbeitendennetzwerk überhaupt – und welche Kriterien sollte es erfüllen, um gut zu funktionieren? Netzwerken oder Employee Resource Groups (ERGs) wird eine für Unternehmen und Mitarbeitende förderliche Wirkung zugeschrieben. Sie fungieren als Anlaufstelle für Mitarbeitende und als Plattform des Austauschs, des gegenseitigen Empowerments und als Innovationstreiber innerhalb von Unternehmen.

Ein wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Netzwerkarbeit sind eigene finanzielle Mittel in Form eines Budgets, das vom Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Damit lassen sich eigene Projekte, wie etwa Events oder Kampagnen, planen und durchführen. Engagierte Mitarbeitende sollten sich überdies während der Arbeitszeit ihrem Engagement für das Netzwerk widmen können und dieses nicht zusätzlich in ihrer Freizeit bewältigen müssen.

Wie so häufig ist auch bei Netzwerken die Zielsetzung entscheidend: Es braucht eine klare Mission, die mit messbaren Zielen verbunden ist. Damit stellen das Netzwerk und seine Mitglieder sicher, dass sie ihrem Engagement eine Richtung geben und am Ende die gesteckten Ziele und Zwischenetappen erreichen.

 

Kompass ohne Norden? – Die Mission eines Netzwerks

 

Ohne festgelegte Ziele und Richtungsvorgaben sind Bemühungen unkoordiniert und diffus. Auch wenn  die Mission eines Netzwerks je nach Unternehmensgröße und der Zielgruppe, die das Netzwerk vertritt, variieren kann, ist das Formulieren einer Mission elementar.  LGBTIQ+ Netzwerke begleiten in der Regel das LGBTIQ+ Diversity Management im Unternehmen kritisch und weisen auf Missstände und Herausforderungen für LGBTIQ+ am Arbeitsplatz hin.

Als Sprachrohr für LGBTIQ+ in Unternehmen setzen Netzwerke sich für deren Belange und Anliegen ein und können diese auf die Agenda bringen. Dadurch tragen sie zu Veränderungen im Unternehmen bei, verleihen der Community Sichtbarkeit und fördern ihre Wahrnehmung. Für (neue) LGBTIQ+ Mitarbeitende sind sie zudem die erste Anlaufstelle und ein Networking-Hub, die den gemeinsamen Austausch sowie gegenseitige Unterstützung ermöglichen und einen Safe Space darstellen.

Und ganz nebenbei ermöglichen sie auch, was sonst selten so ungezwungen möglich ist: sie bringt hierarchieübergreifend Mitarbeitende mit ganz unterschiedlichen Positionen, Hintergründen, Senioritäts-Leveln und Verantwortlichkeiten auf persönlicher Ebene zusammen.

 

Ziel Nord-Nord-Ost: was sind Aufgaben des Netzwerks auf dem Weg zum Ziel?

 

Das Netzwerk ist gegründet? Die Mission und Ziele sind formuliert? Dann gilt es, mit konkreten Schritten auf ihre Erreichung hinzuarbeiten. Die Aufgaben von LGBTIQ+ Netzwerken sind dabei vielfältig und umfassen etwa Events, regelmäßige Treffen der Mitglieder, Get-Together innerhalb des Unternehmens oder die Organisation der Teilnahme des Unternehmens an externen queeren Events.

Mit Veranstaltungen, Panels oder thematischen Vorträgen zur Weiterbildung von Mitarbeitenden öffnen Netzwerke Räume zum Austausch. Durch Kommunikationsarbeit teilt das Netzwerk Informationen zu LGBTIQ+ relevanten Themen über seine Grenzen hinweg mit dem Unternehmen und allen Mitarbeitenden. Ein etabliertes LGBTIQ+ Netzwerk kann zudem mit HR und der Unternehmensleitung zusammenarbeiten, indem es Feedback und Input zu Diversity Maßnahmen und Vorhaben gibt.

All diese “technischen” Überlegungen beiseite: ein (LGBTIQ+) Mitarbeitendennetzwerk ist eine Bereicherung für jede:n Einzelne:n, die Spaß macht und bringt. Ob After-Work-Events, gemeinsam verbrachte Zeit oder Event-Besuche: in einem ungezwungenen und informellen Rahmen Zeit mit netten Menschen und für ein geteiltes Anliegen zu verbringen ist nicht nur sinnstiftend, sondern bringt eine Menge Freude.

 

Achtung: Verwechslungsgefahr!

 

Netzwerk gut, LGBTIQ+ Diversity Management gut? Nein! Es muss ausdrücklich festgehalten werden, dass das Netzwerk nicht für das LGBTIQ+ Diversity Management verantwortlich ist. Es kann und darf lediglich als Sounding-Board in Erscheinung treten. Die Koordination und Planung muss von hauptamtlichen Diversity-Beauftragten übernommen werden und darf nicht Aufgabe und Pflicht der LGBTIQ+ Mitarbeitenden selbst sein. Im besten Fall ergänzt und begleitet das LGBTIQ+ Netzwerk die Diversity Maßnahmen des Unternehmens kritisch – und trägt im Ergebnis zu dessen Verbesserung bei.

 

Lange Rede, kurzer Sinn? Warum ich hier überhaupt von LGBTIQ+ Netzwerken spreche

 

Was aber hat das jetzt alles mit der LGBTIQ+ Freundlichkeit von Unternehmen in Deutschland zu tun und was sagt uns das dazu, wieviel Regenbogen in ihnen steckt?

Auch wenn sich hier auf den ersten Blick alles um LGBTIQ+ Netzwerke selbst und ihre Mitglieder gedreht hat, so sagen sie uns doch eine ganze Menge dazu. Denn: Es gibt diese Netzwerke nur dann, wenn der Arbeitgeber oder das Unternehmen sie zulassen, sie unterstützen und sie mit den notwendigen Ressourcen ausstatten. Aus genau diesem Grund ist ein LGBTIQ+ Netzwerk ein Gradmesser dafür, wie sehr ein Unternehmen oder Arbeitgeber sich intern für LGBTIQ+ einsetzt.

Was zeigt der Gradmesser in eurem Unternehmen? Gibt es ein LGBTIQ+ Netzwerk und bringt ihr euch dort ein?

 

Dieser Artikel wurde im Rahmen der Changemaker Kampagne verfasst – einer 6-monatigen Partnerschaft, die den Fokus auf Personen richtet, die LinkedIn nutzen, um echte Veränderungen in der Arbeitswelt voranzutreiben. Weitere Informationen über die Partnerschaft gibt es hier: https://blog.linkedin.com/changemakers-germany

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