Drei Fragen, mit denen ihr Pinkwashing entlarvt und PRIDE Kampagnen auf den Zahn fühlt.

Es ist wieder soweit: mit dem Beginn des Sommers werden die Regenbogenflaggen aus dem Keller geholt und gehisst. Vor Unternehmenszentralen wehen sie zum PRIDE Monat, auf den Social Media kommt man kaum an den leuchtenden Unternehmenslogos vorbei. Mit Kampagnen zum PRIDE Monat erhalten Unternehmen Aufmerksamkeit. 

 

Echtes Engagement oder Marketing-Coup?

Vielfalt und LGBTIQ+ Diversity scheint zu dieser Zeit des Jahres so selbstverständlich und präsent zu sein, dass es einen ganz und gar mitreißen kann. Den meisten von uns ist durchaus bewusst, dass die Realität für viele LGBTIQ+ aber anders aussieht. Und deswegen muss bei den sicherlich auch guten Absichten der PR- und Marketing-Kampagnen festgehalten werden: gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Wirklich wichtig ist, was passiert, wenn die Flagge nach dem PRIDE Monat wieder abgenommen wird. Dann nämlich wird sichtbar, ob echtes Engagement für die Wertschätzung und Chancengerechtigkeit von LGBTIQ+ hinter den Kampagnen steht, oder nichts weiter bleibt als ein Marketing-Coup.

 

Schwimmen mit dem Strom oder Zeichen aus Überzeugung?

 

Zuerst solltet ihr daher fragen, was die Unternehmen abseits vom vermeintlich fortschrittlichen und offenen Deutschland machen? Beziehen sie in Russland oder Saudi Arabien für die Rechte von LGBTIQ+ Menschen Stellung? Nehmen sie dort an PRIDE Paraden oder Veranstaltungen der Community teil, oder ducken sie sich weg, wenn es kompliziert wird? In Berlin oder Köln an einem CSD teilzunehmen erfordert weniger Mut, als sich öffentlichkeitswirksam in Polen und Ungarn mit der LGBTIQ+ Community zu solidarisieren und sich dort Paraden anzuschließen.

 

Ein zweiter wesentlicher Punkt ist, was mit den Einnahmen aus dem PRIDE Marketing geschieht. Werden damit LGBTIQ+ Projekte innerhalb des Unternehmens und Vereine sowie Initiativen der Zivilgesellschaft gefördert? Ein gutes Beispiel ist etwa ein bekannter Softwareentwickler in den USA. Dieser hat in diesem Jahr rund 1 Million US-Dollar und Produkte an eine Organisation gespendet, die sich um jugendliche LGBTIQ+ kümmert und Schutzräume aufbaut. Das ist wichtig, denn auch bei uns kämpfen im zweiten Jahr der Pandemie viele queere Safe-Spaces, Vereine und Initiativen darum, ihre Angebote aufrecht zu erhalten und sich finanziell über Wasser zu halten. Ihnen sollte unbedingt ein Teil der PRIDE Einnahmen zukommen. 

 

 

 

Leben was man predigt – PRIDE im Unternehmen

 

Zuletzt gilt es hinter die Kulissen der Unternehmen zu blicken. Wie steht es dort um die LGBTIQ+ Freundlichkeit gegenüber der eigenen Mitarbeitenden? Wird vor der eigenen Haustür das gelebt, was nach außen in Kampagnen signalisiert wird? Einen verlässlichen Hinweis dazu gibt euch beispielsweise unser LGBTIQ+ Arbeitgebersiegel PRIDE Champion, mit dem wir das LGBTIQ+ Diversity Engagement der Unternehmen prüfen. Entscheidend für gelebte Wertschätzung und Chancengerechtigkeit für LGBTIQ+ ist vor allem, dass sie wahrgenommen und wertgeschätzt werden und ihre Anliegen Gehör und Raum finden.

 

PRIDE – das ganze Jahr hindurch

 

PRIDE Kampagnen – ein No-Go? Nein! Mir persönlich kann es nicht genug Regenbogen geben. Wir als LGBTIQ+ Community brauchen die Sichtbarkeit, die wir im PRIDE Monat bekommen. Aber das reicht eben nicht. Ich wünsche mir, dass über das Flaggehissen hinaus Taten sprechen. Ich wünsche mir ein echtes und konkretes Engagement von den Unternehmen. Ein Engagement in den drei genannten Punkten: für die LGBTIQ+ Community im Ausland, bei uns hier in Deutschland, für die eigenen LGBTIQ+ Mitarbeitenden und eben eines, das über das ganze Jahr hinweg anhält. Die Flagge kann von mir aus abgenommen werden und zurück in den Schrank. Wir als queere Menschen gehören da aber nicht (mehr) hin.

 

Wie seht ihr das? Welche PRIDE Kampagnen findet ihr aufrichtig und gelungen und wo seid ihr auf Pinkwashing ohne echtes Engagement für LGBTIQ+ gestoßen? Schreibt unserem Gründer und CEO, Stuart, gerne dazu auf Instagram, LinkedIn oder Facebook.