● Wir haben die Dax-Unternehmen nach LGBT+-Freundlichkeit untersucht

● Das Ergebnis: Wer bei uns führt, steht auch auf Innovationsranglisten vorn

● Ein diverser Arbeitsplatz bietet allen Mitarbeitenden ein besseres Klima

 

Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Aktienindex Dax gibt es nun ein Ranking, das die Unternehmen systematisch danach untersucht, wie sie mit dem Thema LGBT+ umgehen. Das Ergebnis zeigt: Während einige Arbeitgeber vorbildlich sind, gibt es für andere noch viele Hausaufgaben. Gleichzeitig zeigt es auch einige spannende Parallelen auf, die für die Betroffenen gleich als gutes Argument gelten sollten, diese Hausaufgaben endlich zu machen. So finden sich die Unternehmen, die beim Diversitätstest besonders gut abschneiden, auch weit oben in der Rangfolge der innovativsten Unternehmen wieder.

Ziel des Index, den wir als Uhlala Group erstellt haben: Wir wollten wissen, wie genau deutsche Arbeitgeber ihr LGBT+-Diversitymanagement gestalten und inwiefern sie sich für eine offene Unternehmenskultur einsetzen. LGBT+ steht für lesbische, schwule, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen.

Unsere Methodik: Wir haben allen Dax-30-Unternehmen umfangreiche Fragenkataloge geschickt – zu interner und externer Kommunikation zu LGBT+-Themen, der Teilnahme an Events, ihrem LGBT+-Netzwerk, zu Schulungen und Sensibilisierung von Angestellten und außerdem zur Sprache und zur Verankerung des Antidiskriminierungsschutzes in den Unternehmensrichtlinien.

 

Für einige Dax-Unternehmen scheint das Thema nicht wichtig genug zu sein

 

Wir sind überrascht von dem Ergebnis: vom erstplatzierten Unternehmen, dem Softwareentwickler SAP, welcher alle Punkte erreicht hat, bis hin zu Unternehmen, welche kaum Maßnahmen für LGBT+ durchführen, ist das gesamte Spektrum vorhanden. Die Ergebnisse im Detail können Sie unter uhlala.com/dax30 nachlesen

Ich bin vor unserer Untersuchung davon ausgegangen, dass wenigstens die erfolgreichsten und wichtigsten deutschen Unternehmen ein ganzheitliches Diversitymanagement betreiben. Bei manchen der Dax 30 wird aber selbst auf der Website nicht einmal beim Diversitystatement die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität erwähnt. Für diese Unternehmen scheint das Thema schlichtweg nicht wichtig genug zu sein.

Die großen 30 stehen also in ihrer Gesamtheit nicht wirklich besser da als das durchschnittliche Unternehmen. Laut einer Studie der Charta der Vielfalt aus dem Jahr 2016 implementieren mehr als ein Drittel aller Unternehmen Maßnahmen zur Steigerung von Vielfalt. Nichtsdestotrotz ist dort, wo Diversitymanagement draufsteht, nicht automatisch welches drin. Es besteht laut einer Studie der Page Group aus dem Jahr 2018 für viele Unternehmen vorrangig aus Frauenförderung, flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Work-Life-Balance-Angeboten. Ziel sollte jedoch sein, echte Chancengleichheit herzustellen. Dabei sollten die Dimensionen Geschlecht, Ethnie, Alter, Behinderung, sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität und Religion berücksichtigt werden.

 

Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht keinen Handlungsbedarf

 

Besonders das Thema sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität wird jedoch häufig ignoriert. Mit 60 Prozent gibt weit mehr als die Hälfte aller Unternehmen in der Studie der Charta der Vielfalt sogar an, dass sie hier explizit keinen Handlungsbedarf sehen. Das ist ein Fehler! Die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität lesbischer, schwuler, bisexueller und transgeschlechtlicher Mitarbeitender im Arbeitskontext zu berücksichtigen kann nachhaltig zum Erfolg eines Unternehmens beitragen.

Kommen wir zunächst zu den negativen Auswirkungen, die schlechtes Diversitymanagement haben kann. Fast zwei Drittel aller LGBT+-Mitarbeitenden würden nach einer Studie der Boston Consulting Group aus diesem Jahr ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität gegenüber allen oder manchen Kolleg/innen verheimlichen. Das kostet viel Energie.

Claudia Brind-Woody (Vice President and Managing Director of Intellectual Property bei IBM) hat dazu den Begriff „The cost of thinking twice“ geprägt. Frei übersetzt: Was es kostet, vor jedem Wort überlegen zu müssen, ob man es wirklich ausspricht. Dazu hat sie festgestellt, dass die Produktivität durch solches Verhalten um rund ein Drittel sinkt.

 

Machen Sie den Selbsttest: Erwähnen Sie eine Woche lang Ihre Beziehung nicht

 

Wer sich das schwer vorstellen kann, sollte als heterosexuelle Person mal probieren, seine Beziehung eine Woche lang am Arbeitsplatz nicht zu erwähnen. Sie werden überrascht sein, wie schwer Ihnen das fällt.

Dass die Diskriminierung von LGBT+ langfristig dem ökonomischen Erfolg schaden kann, zeigt ganz konkret der in diesem Jahr veröffentlichte Bericht von Open for Business. LGBT+-inklusive Unternehmen sind wirtschaftlich erfolgreicher und können ihre Marke als LGBT+-freundlicher Arbeitgeber stärken, wodurch sie für viele Jobsuchende, auch für Heterosexuelle, attraktiver erscheinen. Und nicht zu vergessen: Wer möchte nicht in einem Unternehmen oder einer Organisation arbeiten, in der niemand sich verstellen muss und jeder er oder sie selbst sein kann?

Ganz konkret zu unserem Dax-30-LGBT+-Diversity-Index passt die Studie der Ökonomen Huasheng Gao und Wei Zhang aus dem Jahr 2016. Sie haben herausgefunden, dass LGBT+-freundliche Politik dafür sorgt, dass sich mehr Talente in Unternehmen bewerben und somit schlussendlich die Innovationsfähigkeit steigt. Das bestätigen unsere Ergebnisse. So sind die besten vier Unternehmen unseres Index, nämlich SAP, Allianz, Siemens und Daimler, nach dem Innovationsindex 2019 der Boston Consulting Group zugleich in den Top 50 der weltweit innovativsten Unternehmen vertreten.

Wir wünschen uns deshalb, dass mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig das Thema LGBT+ ist, und es auf ihre Agenda setzen.

 

Was denken Sie?

 

Welche Arbeitgeber kennen Sie, die sich besonders für LGBT+ am Arbeitsplatz einsetzen, und was macht sie aus?

 

Dieser Artikel erschien zuerst am 11.12.2019 auf Xing.