Schwule Männer werden schlechter bezahlt, hieß es schon vergangenes Jahr in einer Studie. Nun kommt der nächste Aspekt hinzu: Sie erreichen auch die Führungspositionen nicht, für die sie eigentlich qualifiziert sind. Bereits in unserem Magazinbeitrag „Der heterosexuelle Bonus“ von 2017 berichteten wir über die Gay Pay Gap, also die Lücke zwischen der Bezahlung von Heteros und queeren Menschen am Arbeitsplatz.

 

Die gläserne Decke ist kein Mythos

 

Nun ist eine neue Datenanalyse des Bonner IZA Institute of Economics erschienen, die wiedermal beweist, was wir letztes Jahr schon ahnten: Queere Menschen, vor allem in Führungsposten, leiden unter starken Kopfschmerzen, weil sie sich so oft den Kopf stoßen. Der Grund dafür ist die berühmte gläserne Decke – mittlerweile DAS Stichwort im Kontext Diskriminierung am Arbeitsplatz. An der britischen Haushaltserhebung nahmen 600.000 Männer im arbeitsfähigen Alter teil, 6000 davon schwul, bisexuell oder einer anderen Orientierung angehörend.

 

Der heterosexuelle weiße Mann wird durch gewinkt, alle anderen dürfen warten

 

Die Analyse ergab, dass LGBT Führungskräfte oft die höchsten Positionen nicht erreichen – auch nicht, wenn sie hochqualifiziert sind. Während der heterosexuelle weiße Mann locker vorbei schlendert, dürfen alle anderen stehenbleiben: Ähnlich der gläsernen Decke für Frauen gibt es in der Karrierewelt einen Stop für schwule Männer und lesbische Frauen. Dies überträgt sich ebenfalls auf andere sexuelle Minderheiten, Frauen und POC (People of Color).

Doch was nun? Die qualifizierte Führungsperson, verharrend in ihrer niedrigeren Position und mit pochendem Schädel, kann allein nicht viel ausrichten – um die Situation zukünftig zu verbessern, muss man nach den Mentor_innen und Entscheidungsträger_innen Ausschau halten, so die Datenanalyse. Indem mehr Frauen, queere und nicht-weiße Menschen hohe Führungsposten erlangen, die ihrer Qualifikation entsprechen, kann auch der Weg für andere Individuen geebnet werden. Wieder einmal geht es also um Vorbilder, richtige Entscheidungen und gegenseitige Unterstützung. Auch in den Vorständen besteht das Potenzial einer Verbesserung – und, sind wir mal ehrlich – der Gesamtsituation: Diversität ist der Schlüssel zum Erfolg. Viele verschiedene Köpfe liefern die besten Ergebnisse. Zeit, auch im Arbeitsumfeld das zu schaffen, was in der Welt schon immer präsent war: Vielfalt.

 

Was tun wir dagegen?

 

Um unseren eigenen Teil beizusteuern, haben wir RAHM gegründet – The Global LGBT Leadership Contest & Community. Wir sind stolz zu sagen, dass wir dieses Jahr zwei RAHM Contests veranstalten – in London und Berlin. Zwei Events, an denen queere Top Executives auf aufstrebende Leadership-Persönlichkeiten treffen, sich austauschen und gegenseitig unterstützen – während des Events und darüber hinaus. Mit RAHM haben wir eine weltweite Community geschaffen, die wachsen möchte. Die Créme de la Créme der LGBT Führungskräfte weiß, dass es eben nicht nur um die Qualifikationen für einen Job geht, sondern es in der Arbeitswelt noch andere Kräfte gibt, die einen zurückhalten – und gegen die gehen wir mit jeder Menge Power an.

https://outexecutives.de möchten wir zusammen mit der PROUT AT WORK-Foundation eine Veränderung bewirken: Wir suchen Germany’s TOP 100 Out Executives für eine Liste voller queerer Persönlichkeiten in Führungspositionen. Ähnliche Listen sind bereits in den USA und UK zu finden, jedoch noch nicht in Deutschland. Wir wollen geoutete LGBT Personen aus der Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft als stolze Vorbilder sichtbar machen.

Es stimmt, queere Menschen müssen aktuell mehr Leistung zeigen, um etwas zu erreichen – aber das positive ist: Wir stecken alle unter einer Decke.

 

Anmerkung der Redaktion: Leider war die in diesem Artikel behandelte Studie sehr binär und eng gefasst. Wir freuen uns auf zukünftige genauere Studien, die auch Menschen anderer Geschlechter und sexueller Orientierungen mit einbezieht. Hinweise dazu kannst Du uns gerne über unser Kontaktformular oder auf Facebook schicken.

 

Dieser Artikel erschien zuerst am 18.06.2018 im STICKS & STONES Blog.